Journal Frankfurt 07.02.2012: Ausbaugegner: Rettet Dribbdebach!

Flughafenproteste

Der Protest gegen den Flughafen lässt nicht nach.
Das beflügelt Ursula Fechter von den Flughafenausbaugegnern. Sie will bei der
Oberbürgermeisterwahl reüssieren – und unter anderem die Grünen vor sich
hertreiben.
Der Protest lässt nicht nach. Trotz der Großdemonstration am Samstag mit
laut Veranstalterangaben 10.000 Demonstranten, kamen am Montagabend
wieder 2200 Menschen in den Terminal 1, um ihrem Ärger über den Fluglärm
Ausdruck zu verleihen. Sie forderten friedlich, aber lautstark ein
ausgedehntes Nachtflugverbot und die Stilllegung der neuen
Nordwest-Landebahn. Einige Gemeinden wollen sogar gegen die neuen
Flugrouten Klage einreichen. 60 Bündnisse aus dem gesamten
Rhein-Main-Gebiet haben sich bislang zusammengetan, um mittels
Protestaktionen für ihre Rechte und mehr Lebensqualität zu kämpfen.
Diesmal ausnahmsweise nicht dabei: Ursula Fechter, Kandidaten der
Flughafenausbaugegner (FAG) für die Oberbürgermeisterwahl in Frankfurt.
Die einstige Stadträtin war bei einer Podiumsdiskussion im
Bahnhofsviertel zugegen. “Es wundert mich, dass sich jetzt auch
Politiker wie Peter Feldmann von der SPD auf den Demos zeigen”, sagt
Frau Fechter. Die Sozialdemokraten seien bislang nicht als Ausbaugegner
aufgefallen. Gleiches gelte übrigens auch für die Grünen: “Sie verhalten
sich unredlich.”

Tatsache sei, dass eine rot-grüne Landesregierung die Mediation, die die
Option des Ausbaus beinhaltete, beschlossen hat. Sei es den Grünen in
Frankfurt mit ihrem Widerstand gegen den Ausbau ernst gewesen, hätten
sie dies zu einer Koalitionsbedingung mit der CDU machen müssen. “Die
praktizierte Enthaltung bei diesem Thema ist keine Haltung, sondern eine
Kapitulation”, so Ursula Fechter weiter. Ein Antrag auf Schließung der
Bahn sei von den Grünen im Frankfurter Stadtparlament abgelehnt worden.
Die Chancen für die Grünen-Kandidatin Rosemarie Heilig bei der
Oberbürgermeisterwahl mit dem Thema Flughafen punkten zu können, schätzt
Frau Fechter entsprechend gering ein. “Da sollte man lieber das Original
wählen”, meint sie.

Dass der Einfluss der Oberbürgermeisterin auf die Landebahn nicht eben
groß ist, macht die FAG-Kandidatin nur kurz nachdenklich. “Ich
verspreche den Menschen nicht, dass die Bahn dann sofort geschlossen
wird. Ich verspreche nur, alles in meiner Macht stehende dafür zu tun.”
So solle sich die Stadt Frankfurt endlich dem Protestbündnis gegen den
Flughafenausbau anschließen, wie es die Umlandgemeinden bereits lange
getan hätten. Auch über den Aufsichtsrat des Flughafenbetreibers Fraport
ließe sich Druck ausüben. Die neue Wahlkampagne verspricht immerhin:
“Rettet Dribbdebach!” Ursula Fechter sagt: “Wir appellieren damit an die
Solidarität aller Frankfurter. Hier geht ein ganzer Stadtteil vor die
Hunde und wird unbewohnbar. Das kann niemand wollen.” Dass durch
veränderte Flugrouten und andere Anflugmaßnahmen der Lärm gemindert
werden könne, sei jetzt auch amtlich durch den Sprecher der Deutschen
Flugsicherung bestätigt worden.

Auch am kommenden Montag ist am Frankfurter Flughafen wieder mit
mehreren tausenden Demonstranten zu rechnen, wie es schon seit Mitte
November zur Gewohnheit geworden ist. Nur soll es am 13. Februar auch
karnevalesk zugehen, immerhin will dann der Mainzer “Verein
“Lebenswertes Mainz und Rheinhessen – Gegen Fluglärm und Ausbau des
Frankfurter Flughafens” die Demo veranstalten und das Ganze mit
Kinderfasching kombinieren.
7. Februar 2012
nb/nil

http://www.journal-frankfurt.de/?src=journal_news_einzel&rubrik=2&id=15117

Mit freundlicher Genehmigung des Journal Frankfurt, Nils Bremer

Interview mit Frau Dr. Fechter in der FR vom 01.02.2012

Frau Fechter, was rechnen Sie sich für die OB-Wahl aus?

Ich will natürlich gewinnen, aber ich werde mich jetzt nicht auf eine Zahl festlegen. Es wird mir gelingen, den Protest gegen Fluglärm in die Wahllokale zu tragen. Ich werde ein gutes Ergebnis erzielen, und das wird dann auch ein Signal an das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig sein, das ja im März über den Ausbau entscheiden wird. (weiterlesen …)